Laubinchens Lieblingsgeschichte

Einmal ging der Förster mit seinem Enkel durch den Wald. Mit derSprühdose markierte er die Bäume, die gefällt werden sollten. DerJunge staunte und fragte: Warum sollen die denn gefällt werden,und die anderen nicht ? Der Förster wollte sagen: Für´s Holz.Doch er ahnte, dass diese Antwort seinem Enkel nicht reichenwürde. Also sagte er: Komm setzen wir uns hier ins Moos. Icherzähle Dir die Geschichte von der ersten Tanne:Vor sehr langer Zeit war die erste Tanne gewachsen. Alle Tieredes Waldes kamen heran und bewunderten den großen Baum,seine silbernen Nadeln, seinen harzigen Duft. Da fragte dasWildschwein: Wozu bist du gut ? Und die Tanne sagte: Damit dudich an meiner Rinde scheuern kannst. Zufrieden grunzte diewilde Sau und ging sich suhlen. Da fragte das Eichhörnchen: Undwas ist für mich ? Die Tanne sagte: Dir schenke ichTannenzapfen. Du kannst sie als Wintervorrat in der Erdevergraben. Das Eichhörnchen machte Männchen und flitzte hinaufzu den Zapfen. Und was bleibt für uns, piepsten die Vögel. Picktaus meinen Zapfen die Samen und verteilt sie über die Erde. DieVögel freuten sich. Aber uns hast du vergessen, summten dieBienen vorwurfsvoll. Mitnichten, widersprach die Tanne, denn vonmir dürft ihr Waldhonig ernten, den Sirup aus den Tiefen meinerRinde. Glücklich schwärmten die Bienen zurück zu ihrer Königin.Dem Hasen gab die Tanne eine Kuhle zwischen ihren Wurzeln.Dem Hirsch bot sie ihren hohen Stamm, um sich daran den Bastvom Geweih zu fegen.Endlich kam auch der Mensch zur Tanne und sagte: Hast du auchan mich gedacht? Die Tanne wiegte sich im Wind. Was ist mit mir,fragte der Mensch. Ich schenke dir reine Luft, sauberes Wasserund meinen Schatten, sagte die Tanne, und außerdem einenSchatz: Was ich unter meiner Rinde verberge, wird dir helfen dieKunst des Bauens zu üben: Schiffe, Häuser, Tische und Bänke,Schränke und Türen, ja sogar Puppen und Spielzeug für deineKinder. Doch musst du dabei auch auf meine Kinder hören. Wenndie kleinen Tannen rufen: Gib Licht, mach Platz, gib Raum! Erstdann sollst du mich ernten und meinen Schatz dazu. Denn erntestdu mich zu früh, wird mein Holz dich mit Harz bestrafen. Erntestdu mich aber zu spät, wird der Specht und die Borkenkäfer michverdorben haben.So sprach die erste Tanne. Seitdem erntet der Mensch das Holzder Bäume, den Schatz, den sie unter ihrer Rinde verbergen. Alsder Förster diese Geschichte erzählt hatte, stand sein Enkel aufund erkannte die kleinen Tannenschösslinge im Moos und sagte:Opa, der muss auch noch weg, denn seine Kinder rufen: Platz da,gib Licht. Und der Förster markierte sie mit einem Punkt.